Bei Der Teufel trägt Prada dachte ich lange, die bittere Wahrheit über Erfolg sei einfach. Andy geht, Miranda bleibt zurück, Moral gewinnt gegen Macht. Fertig. Heute wirkt das auf mich zu glatt. Ist auch schon 20 Jahre her und seien wir mal ehrlich. Es hat sich viel getan in der Zeit.
Miranda Priestley ist grausam, keine Frage. Ihr Büro lebt von Angst, ihre Ruhe schneidet mehr als jeder Wutanfall. Aber genau deshalb bleibt sie so hängen. Sie versteht eine Welt, in der Geschmack, Geld und Einfluss längst Entscheidungen treffen, bevor wir glauben, selber gewählt zu haben. Die Szene mit Andys blauem Pulli ist für mich dafür der härteste Moment. Miranda demütigt sie, aber sie erklärt auch das System besser als alle anderen.
Und da wird es unangenehm. Erfolg sieht im Film nicht gesund aus. Er sieht einsam aus, kontrolliert, perfekt gekleidet und völlig unnahbar. Trotzdem wirkt er verführerisch.
Andy trifft am Ende die richtige Entscheidung. Ich glaub das wirklich. Aber Miranda bekommt den Mythos. Vielleicht ist das die bittere Wahrheit, die mir heute am meisten nachgeht, manchmal gewinnt nicht das Richtige unsere Aufmerksamkeit, sondern das, was glänzt.
Apropo. Der Grund warum ich drüber schreibe war folgendes Video auf YT von The Prism. Regt einen schon zum Denken an, find ich.